TOURDIARY |
ACTIONS OVER WORDS TOUR 2006 (12.05. - 19.05.)
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05/12/2006, LÜDINGHAUSEN, JZ HOT EXIL
Day01: Let's Get The Party Started
Kaum hatten wir den letzten Roadtrip seelisch und physisch verarbeitet,
hieß es schon wieder: ab auf Tour! Hochmotiviert und gespannt auf unsere
kanadischen Tourkollegen versammelten wir uns am späten Nachmittag
traditionell an der Minderner Homebase bei Niko. Auch dieses Mal hatte
uns die Volkswagen Sound Foundation einen T5-Bulli mit Topausstattung
zur Verfügung gestellt, den wir postwendend beluden, um halbwegs pünkt-
lich zum Auftaktgig nach Lüdinghausen zu kommen. Da wir fast für alle
Konzerte die Backline inklusive Drumset stellen sollten, brauchten wir einen
soliden Frachtraumaufteilungsplan und Robin wurde zum Päck-Man ernannt.
Mit Adrian am Steuer, einem Navigationssystem an der Scheibe und Seiten-
fensterrollos fühlten wir uns sicher und gut gerüstet.
Für Sören, unseren Bass-Padawan sollte es die erste DIE-Tour werden und
er sah diesem Erlebnis gewohnt entspannt entgegen. Die Stauschau ließ
nichts Gutes erahnen. Unsere Route führte uns westwärts ins Münsterland,
doch wir kamen nur langsam voran - hier eine Verkehrsbehinderung, da zäh
fließender Verkehr, drüben ein Stau und noch ein Stück weiter eine Baustelle
usw. Das Wetter war fast hochsommerlich, aber dank serienmäßiger Aircon-
dition blieben wir entspannt.
In Lünen sackten wir dann quasi im Vorbeifahren noch Dave, unseren Horrorbiz
Labelboss ein und mit Verspätung trafen wir dann endlich am Zielort im JZ
Hot Exil in Lüdinghausen ein. Zunächst stand ein herzliches Wiedersehen
mit unseren ehemaligen Tourkollegen von THE PARACHUTES an, die extra
den weiten Weg aus dem Saarland auf sich genommen hatten, um an diesem
Tag mitrocken zu können. Ebenfalls konnten wir die fast komplette Beleg-
schaft von MAY THE FORCE BE WITH YOU begrüßen und einen Teil des
harten Kerns von DAILY REASON, die ebenfalls schon mit uns eine Tour
gerockt hatten. Essen und Trinken war reichlich vorhanden, aber wir interes-
sierten uns zunächst mehr für unsere kanadischen Mitstreiter von CLOSE-
DOWN, die nach ihren Tourdaten im Vereinigten Königreich schon da waren
und Backstage chillten. Die Begrüßung war sehr nett, aber sprachtechnisch
leicht eingeschränkt, da Francokanadier ja bekanntlich ein dialektgespicktes
französisch sprechen ;-). Also unterhielt man sich in Englisch und war gegen-
seitig gespannt auf die bevorstehenden Shows. CLOSEDOWN hatten nicht so
ein Glück wie wir gehabt und einen Tourbulli gesponsort bekommen, sondern
hatten sich in Frankreich ein Vehikel mieten müssen. Zu allem Überfluss
hatte man dem Wagen eine dicke Delle in der Tür beigebracht und wir tausch-
ten unverhohlen Blicke aus, als die Kanadier uns von einem wahnwitzigen
DIY-Reperaturvorhaben erzählten.
Den Anfang des Bühnenprogramms machten die ortsansässigen CARVING
SCARS, dicht gefolgt von den großartigen PARACHUTES, die eine gewohnt
geile Show an den Mann brachten und den Laden erstmal ordentlich anheizten.
Danach waren wir dran und hatten nun leichtes Spiel. Wir schlugen direkt
weiter in die gleiche Kerbe und das Publikum tanzte und moshte pausenlos
weiter. Höhepunkt on Stage waren nun CLOSEDOWN. Wir waren heftig ge-
spannt auf die Show, da wir bereits ihr Video von "Ictus, Where Everyboy Lo-
ses", dass auf MTV in Kanada und den USA rotiert kannten. Und Booom, die
explodierten förmlich auf der Bühne, als ob sie die letzten Wochen eingesperrt
gewesen wären... man bekam das volle Hardcorebrett in die Fresse, durch-
mischt mit netten Melodieparts, wobei äußert maskuline Shouts im feinsten
As I Lay Dying-Stil auf superpräzise Cleanvocals trafen. Feine Sache! Die
Vorfreude auf die noch bevorstehenden Gigs stieg von Song zu Song und mu-
sikalisch war der Abend schwer zu toppen.
Nach dem Konzert fuhren wir erst kurz zur Schlaflocation bei unserer Gastge-
berin für den heutigen Abend, Romy, und dann weiter zum Hause, wo CLOSE-
DOWN pennen sollten. Die Aftershowparty ließ genug Zeit um sich etwas
besser kennen zu lernen und noch eine Menge Bier zu Konsumieren. Row
bekam eine Indianergesichtsbemalung gratis bei einem lustigen Quebecer
"Saufspiel" und Sören einen neuen Spitznamen, den er nicht mehr los werden
sollte..."Söridge". Klingt komisch, hat viele Varianten in der Schreibweise,
aber dafür kommt er vom kanadischen Basskollegen Batiss, der "Sören"
einfach nicht richtig aussprechen konnte. CLOSEDOWN erlernten schnell
die wichtigsten deutschen Vokabeln, wie "Du pist sehr schejn." "Mach die
Brene brait." und "Lunch my Swanp!". Die Kanadier waren allesamt be-
geistert von Deutschland und der Gastfreundschaft. Wir erfuhren, dass man
in Kanada als Band keinerlei Verpflegung und Unterkunft zu erwarten hat,
dort zeltet man nach der Show am Straßenrand, wenn man auf Tour ist. In
Großbritannien herrschen offensichtlich ähnliche Verhältnisse, und CLOSE-
DOWN berichteten uns, dass sie dort zu sechst (!) in ihrem gemieteten Bulli
samt Gepäck und Instrumente nächtigen mussten. Als alle gut bedient waren
und sich alkoholunterstützte Müdigkeit durchsetzte, fuhren wir zurück zu
Romys Wohnung und schliefen direkt in den supergemütlichen Dachkammern
bzw. im Wohnzimmer ein. |
05/13/2006, ESSEN, CAFÉ NOVA
Day02: Deutschland - Kanada 1:4
Gut erholt versammelten wir uns zum Frühstück im Wohnzimmer, wo Niko zu-
sammen mit 4 Katzen geschlafen hatte. Nicht jeder hielt es lange in dem Ba-
dezimmer aus, das gleichzeitig das Katzenklo für die 4 niedlichen Tiere beinhal-
tete. Wir waren alleine zu Haus und konnten uns daher ohne große Verabschie-
dungsszenen zu den CLOSEDOWNern aufmachen. Diese chillten noch heftig
verpennt im Wohnzimmer ihrer Unterkunft, aber ließen sich durch unser Fuß-
ballgekicke unten auf der Straße aufrütteln. Zunächst bolzten wir planlos
gemischt zwischen Häusern aber nach kurzer Zeit entdeckte man einen rich-
tigen Platz mit Tor und ein Spiel Kanada - Deutschland wurde ausgerufen.
Alles lief gut bis zur 2. Minute, dann begann der Untergang der deutschen
Mannschaft... kurzum: wir ließen sie gewinnen um ihnen ihre Zeit in Deutsch-
land noch angenehmer zu machen :-). Der Spielball wurde uns dann noch
freundlicherweise als Geschenk für den Rest der Tour mitgegeben und wir
starteten durch Richtung Essen. Dank Navi gabs keine Probleme und wir
erreichten weit vor der Zeit, bei strahlendem Sonnenschein, das Café Nova.
Ein gemütlicher Club mit Halbkreisrunder Stage, wo schon Tontechniker und
Personal Vorbereitungen trafen. Der Backstagebereich war ein langezogener
Flur von etwa 5m Breite mit Couches, Kühlschränken, Toiletten und Duschen.
Während wir das ganze Equipment auf der Bühne startklar machten hing Louis,
der Drummer und gleichzeitig Finanzverwalter und Routenplaner von CLOSE-
DOWN, deren am Vortag gewaschene Wäsche am Gartenzaun zum trocknen
auf. Es wurde leicht bewölkt und wir warnten Louis, dass er vor dem deutschen
Wetter aufpassen müsse wegen Regen und so. Auf jeden Fall fing es dann auch
plötzlich wirklich an zu pissen, aber fragt nicht wie. Die Kanadier watzten raus
und holten von ihren Socken und T-Shirts rein, was noch zu retten war. Dann
brach die Hölle los...ein Wolkenbruch sondergleichen verbreitete Endzeitstim-
mung und verängstigte unsere neuen Freunde etwas. Das Nachtlager im Back-
stage wurde zum Glück nur teilweise geflutet und ein riesiger Teppich nahm
den größten Teil des Wassers auf. Bei diesen Wetterverhältnissen herrschte
natürlich Unklarheit, ob und wieviele Leute wohl zum Konzert kommen würden,
aber wir machten uns locker bei Pasta, Bier und Lieblingstourhobby Kickern.
Da rückten wir dann auch die Fußballniederlage von heute Morgen 20 bis 30
Mal grade, wenn auch nur auf dem Tisch. Der Konzertsaal füllte sich zusehens
und die Party konnte also endlich steigen. UNQUOTE machten den Anfang
und bearbeiteten sich und das Publikum nach Leibeskräften, doch die Leute
schienen schwer zu begeistern zu sein. Dann war Showtime für uns und auch
wir versuchten alles, um Schwung in den Laden zu bringen. Ehrlicherweise
muss man sagen, dass wir eins der schlechtesten Sets der Bandgeschichte
spielten, es war wohl einer dieser Tage, an dem man nur Müll zusammenspielt.
Wahrscheinlich war der Wolkenbruch davor zu beängstigend gewesen.
CLOSEDOWN legten nach und rissen auch hier wieder eine fette, fette
Show. Doch auch sie wurden eigentlich nicht richtig gebührend gewürdigt.
Die Local Heros von LEFT THE CROWD rundeten dann schließlich das Kon-
zert ab. Sänger Andi gab trotz einer frischen Fuß-OP alles und musste einige
Male mit verzerrtem Gesicht Schmerzen überspielen. Alles in allem ein netter
Abend ohne große Stimmungsausbrüche Seitens des Publikums. Die Bands
behielten allerdings gute Laune mit viel Bier und hochemotionalen Kicker-
matches bei. Harte Diskusionen und Fights gab es wie immer bei der schein-
bar noch immer nicht vollständig geklärten Frage, wer nun im Bandinternen
A-Team und wer im B-Team kickert. Wir folgten den Jungs von LEFT THE
CROWD noch geschlossen zu einem... sagen wir "Discoraum" in einer
Essener Kneipe. Dort gab es ein zufälliges aber dafür umso herzlicheres
Wiedersehen mit Dave von FREE LIVING INSANITY, und man unterhielt
sich lustig. Louis, einziger Single unter den Kanadiern, lachte sich noch ein
hübsches Mädel an, kam aber nicht zum Zuge weil irgendwann wieder alle
stramm waren und man zur Rückkehr in den Club drängte. Dort wurden die
Klappbetten im Backstageflur aufgebaut. Söridge wollte scheinbar einen
neuen SMS Rekord aufstellen und Bass-Batiss latschte halbnackt mit
Schlüpfer inner Ritze rum. Als endlich Ruhe einkehrte und das Licht ge-
löscht wurde legte Söridge erst richtig los und das Handyvibrieren brachte
DIE fast komplett um durchgängigen Schlaf. Der Tourmanager und Label-
boss der Kanadier, Mike, trug sein Übriges dazu bei, indem er Nachts um
halb vier noch wichtige Telefonate nach Übersee über öffentliche Telefon-
zellen führen musste und erst zwei Stunden später zurückkehrte. |
05/14/2006, LÜBBECKE, BÜRGERHAUS
Day03: Großmutters Stübl
Dementsprechend verstrahlt wachten wir auf... wir hatten eine lange Fahrt vor
uns und mussten deshalb früh raus. Der Wecker musste unzählige Male klingeln
bis irgendjemand seinen Arsch hochbekam und alle hatten erhebliche Startpro-
bleme. Zum Glück gabs warme Duschen und man berappelte sich langsam.
Oben im Club hatte schon ein nettes Mädel vom Personal Frühstück vorbereitet
und unten im Flur zog sich Batiss noch sein Lieblings-Squirtvideo zum wach wer-
den auf seinem Laptop rein. Wirklich super entspannt die Jungs.
Zunächst verabschiedeten wir Freedumb-Records-Boss Mike am Essener Haupt-
bahnhof... für ihn war die Europatour vorerst gelaufen und er wollte am gleichen
Tag mit dem Zug zu Verwandten in die Schweiz fahren, um dann nach den Deu-
tschlanddates dort wieder auf CLOSEDOWN zu treffen.
Wir fuhren danach wieder in Kolonnenformation mit zwei Bullis auf der Autobahn
Richtung Heimat, denn unser Tagesziel war das Bürgerhaus in Lübbecke. Die
lange Fahrt zwang uns zu diversen Futterstops an den gängigen Burgerschmieden
Deutschlands und wir chillten, lasen und spielten Computer, während Adrian
souverän chauffierte.
Überpünktlich trafen wir dann am besagten Ziel ein und es sah von Außen etwas
spießig aus, aber Innen war feinste Wohnzimmeratmosphäre. Terracottafarben
kombiniert mit Holz und Gelbtönen, dazu Deckenstrahler und weiße Tücher unter
der Decke. Könnte man sich als das Zimmer seiner Oma vorstellen, aber we-
niger als Rockkonzertlocation. Die Stage wurde dann langsam konzertklar ge-
macht und draußen wurde ein wenig auf dem Kinderspielplatz rumgeturnt und ge-
bolzt. DIE brachte Adrian durch Highspeedrotation auf dem Kinderkarussel fast
zum kotzen und Niko und Sörigde zeigten, was sie noch so alles an der Stange
konnten. Robin, dem das Kinderkarussel eine Nummer zu hart war, beobachtete
wie sich CLOSEDOWN derweil die Zeit mit gegenseitigen Haarverstümmelungen
im Bulli vertrieben und sich u.a. Beine, Nippel, Köpfe, Arme, Bärte... usw rasierten.
Zwischendurch wurden Wetten abgeschlossen, wieviele Besucher wohl an diesem
sonnigen und warmen Grillabend-Sonntag auftauchen würden. Die Schätzungen
variierten zwischen 9 und 50 aber wir lagen alle total falsch wie sich später raus-
stellen sollte. Das vorwiegend junge Lübbecker Publikum erschien zahlreich und
füllte den Veranstaltungsraum gut aus. Musikalisch stand ein abwechslungs-
reicher Abend bevor und es eröffneten die Soft -Rocker von THE JAWS. Entspan-
nende Fahrstuhlmusik mit einem Sänger, der tatsächlich jeden Song von einer
vor sich ausgebreiteten 3m-Papierrolle ablas. Mal was anderes. Von draußen
strahlte noch die Sonne durch die Fenster und es wurde immer noch voller. Kurz
bevor wir dran waren quetschten sich dann um die 140 Leute vor der Stage in
den Raum und wollten Rock´n roll. Von dem Wohnzimmerfeeling war plötzlich
nicht mehr viel übrig denn die Menge rockte von der ersten Minute ordentlich
das Haus. Ein cooler Gig der uns viel Spaß bereitete und auch CLOSEDOWN
hatten das Vergnügen. Die hämmerten ihre Show wieder runter als obs kein
Morgen gäbe und die Leute moshten und schoben bis zum totalen Durchschwit-
zen an. Zwischendurch ließ sich Sänger und Gitarrist David es nicht nehmen,
einige obszöne Bemerkungen über Robins Geschlechtsteil zu machen... da war
einigen Bandmitgliedern in der letzten Nacht wohl etwas entgangen...
Den Abschluss bildeten die Locals STATION PARADISE. Die hatten schon al-
len Anwesenden beim Soundcheck den Ohrwurm ihres Lebens verpasst mit
ihrer unvergleichlichen Art "Paradise" auszusprechen...diese Liedzeile sollte
übrigens noch viele tausend Mal auf den Tour fallen. Alles in allem ein gelun-
genes Konzert mit einem bunten Strauss Musik. Der Großteil von uns machte
sich bald nach dem Verlanden der Sachen auf den Weg nach Hause bzw. zur
Freundin, was ja quasi um die Ecke lag. Adrian erklärte Louis den Weg zur
morgigen Location und dieser lachte herzlich, als er erfuhr, dass der dortige
Veranstalter "Hannes" hieß... mit einem französischen Akzent erhält dieser
Name eine völlig andere Bedeutung. CLOSEDOWN zogen sich noch gemütlich
aber lautstark mit Row, Britt, Groupie und Veranstalter Daniel ne Kiste Bier
auf dem Spielplatz rein und dann wurde auch diese Party irgendwann aufgelöst
und schlafen gefahren. |
05/15/2006, IMMENHAUSEN, AKKU
Day04: Texas Hold'em All Night
Gut erholt durch Übernachtung im eigenen Bett trafen wir uns wieder an der
Homebase in Minden und programmierten unser nächstes Etappenziel in Im-
menhausen bei Kassel ein. CLOSEDOWN waren schon vorgefahren und wir
sollten sie am Zielort im AKKU treffen.
Vorher mussten wir allerdings noch zu einem Musikladen in Minden, da das
Bassdrumfell den Vorabend nicht überstanden hatte. Dort und wurden uns
Felle für Fantasiepreise von 63 Euro gezeigt und das billigste für 43 Euro...
große Zahlen. Der Chef tat dann Robins Preisvorstellung als "Fabelzahl" ab
und man traf sich in der Mitte bei 35 Euro. Beinhart. Die Fahrt war wiederum
problemlos und unterhaltsam, weil wir endlich ein Kartenspiel zum Pokern
hatten. Zwar hatten wir noch keine Playchips, aber durch ein ausgeklügeltes
Strichsystem wurde ein bargeldloses Bargeldspiel ermöglicht. Am Ziel stand
schon der Tourbulli von den Kanadiern und drin lag natürlich Mitch, einer der
beiden CLOSEDOWN-Gitarristen, der schon zuvor starke Lang- und Dauer-
schläferstendenzen gezeigt hatte und ratzte vor sich hin. Die Veranstalter
hatten gute Vorarbeit geleistet und die Stage war schon fast komplett fertig
mit amtlicher Lichtanlage und allem drum und dran. Mit wenigen Handgriffen
war auch der Soundcheck erledigt und somit blieb uns unendlich lange Zeit,
die es zu vertrödeln galt. Erst zockten wir draussen auf dem hauseigenen
Bolzplatz und dann auf dem super Kickertisch im Club. Stunden. Die Spiel-
sucht hatte uns gepackt und sollte uns auch später nicht loslassen. Der
Laden füllte sich erst als die Sonne langsam unterging, kein Wunder bei
dem geilem Sommerwetter. Für einen Montagabend war die Bude aber gut
besucht.
Opener des Konzertes Leuten waren die Lokalmattadore BACKWARDS IN
PROGRESS, die schon mal ordentlichen Screamo-Hardcore präsentierten.
Flinke Drums mit heftigen Gitarren und Shouts begeisterten die Zuschauer.
Nun waren wir an der Reihe und gingen in Stellung. Die Anfangssamples
klappten schon Mal nicht, weil die P.A. sie nicht ausspuckte und auch
zwischendurch wurde die Show leicht behindert, da es technische Probleme
mit der Anlage gab. Uns war nicht wirklich klar, ob es am unerfahrenen
Mischer, oder an der Anlage lag, auf jeden fall war es Banane. Wir ließen
uns nicht beirren und gaben unser Bestes und das Publikum war sichtlich
angetan. Bei CLOSEDOWN klappte die Technik dann schon um einiges
besser und sie hatten keine Probleme die Bombe hochgehen zu lassen.
Die Hardcoreshow schlug ein und schwappte über auf die Leute vor der
Stage, die sich es richtig besorgten - bis einer der Leute einem anderen
eine aufs Maul gab und rausflog. Naja, shit happens. Wir genossen die
Songs von CLOSEDOWN und feierten ausgiebig...wie immer auch hart
am Glas. Merch lief bis dahin ganz gut für beide Bands und auch dieser
Abend war ok. Kaum waren die Kanadier mit ihrer Show durch, wurde auch
schon gleich am Kicker weitergezockt. Dort erhielt DIE (A und B Team)
erstmal eine vernichtende Lektion am Tisch von den Kollegen von BACK-
WARDS IN PROGRESS. Vor allem Drummer Thanh war vom Fach und
danach wurden zum Glück noch Tricks ausgetauscht und ausprobiert. Die
Kanadier hatten sich derweil eine Couchburg gebaut und lagen Hundemüde
in der Ecke. Wir waren immer noch im Spielrausch und gingen einen Raum
weiter, wo ein fetter Stargate-Flipper stand. Während wir Kronkorken im
Club zum Pokern zusammensuchten, wurde eine knallharte Highscorejagt
ausgeflippert. Jeder tat sein bestes um noch ein paar Kronkorken dazu-
zutrinken und schon war ne dicke Runde Texas Hold'em mit 6 Mann am
Start. Echt packend angetrunken zu pokern und so lief das Ding bis in die
allerfrühsten Morgenstunden, bis man sich völlig stoned im Club ablegte
und schlief. |
05/16/2006, AACHEN, WILD ROVER
Day05: Aachen, Where Everybody Loses
Morgens, also kurze Zeit später, wurden wir durch Frühstückskommando
und furzende Kanadier geweckt. Wir waren vollplatt und nicht wirklich fit.
Die Spuren der kurzen Nacht versuchten wir mit Brötchenessen und
O-saft zu bekämpfen. Eine kleine Duschkabine in einem Abstellraum im
Keller war auch ganz hilfreich, auch wenn nicht jeder mit dem Temperatur-
regler oder dem Auf- und Zudrehen des Gerätes zurechtkam. Irgendwann
waren alle irgendwie abfahrbereit und wir verabschiedeten uns in Richtung
Aachen. Zwischendurch bei Burgerking verrieten uns die Kanadier dann,
dass sie Mc D eigentlich viel lieber mögen, tja Pech gehabt ;-).
Wir kamen dank Navi auch heute leicht ans Ziel auch wenn wir den Club,
das Irish Pub Wild Rover erst auf den zweiten Blick hinter einer Baustelle
erkannten. Dort warteten schon unsere Freunde und gleichzeitig Veran-
stalter von LONGING FOR TOMORROW. Die hatten schon einen lecker
Abendbrotsnack bereit gestellt und wir bauten schnell die kleine Bühne
voll. Leider gabs nur 3 unterschiedlich laute Micros und so musste sich
jede Band irgendwie damit arrangieren. Es blieb auch nicht wirklich viel
Zeit was zu basteln, denn es kamen bereits die ersten Zuschauer. Diese
waren auch leider fast die letzten. Die Kneipe war zwar nur ein langer,
schmaler Gang, der an der Stage endete, aber es sah mit knapp 20 Mann
trotzdem leer aus. Anyway, wir spielten unser Set und versuchten noch
die letzten Reserven aus uns rauszuquetschen, aber wir waren echt platt
von gestern. Dazu der suboptimale Sound mit den Mics und mit Stimmung
machen ging nicht viel. Ein ähnliches Bild dann bei CLOSEDOWN, Stim-
me kaum zu hören, blecherner Schlagzeugsound, usw. Aber auch sie zogen
es tapfer durch und probierten alles. Es gab dann doch noch ne Menge net-
ter Unterhaltungen nach dem Gig mit den paar Leuten und wir machten
uns startklar zum abrücken. Unser Schlafplatz sollte bei Damian, Drum-
mer von LFT sein und wir fuhren erstmal 20 Minuten hin. Dort erwartete
uns eine richtig fettes Haus mit vielen Schlafzimmern, Bädern, Probe-
und Trainigsräumen...vom allerfeinsten. Nachdem wir die Schlafquartiere
verteilt und bezogen hatten gab es gepflegten Aftershowchillout im Probe-
raum von LFT. Zum Bier durfte natürlich ne Runde Poker nicht fehlen und
schon wurde mit den gesammelten Kronkorken von gestern wieder los-
gelegt. Diesmal war auch ein kanadisches Team in Form von Drummer
Louis und Sänger Alex mit im Rennen, was aber übermüdet ausschied.
Wieder ging das stundenlang bis alle fast im sitzen schliefen. Also
Lichter aus, Augen zu. |
05/17/2006, DÜREN, KOMM
Day06: Ein würdiger Abschied
Der Gastgeber und seine Bandkollegen weckten uns morgens und es
kam uns irgendwie zu früh vor. Wir peppelten uns mit duschen auf und
genossen dann definitiv DAS Frühstück der Tour. Auf der Riesentafel
für 12 Personen (oder so) gabs wirklich alles was man sich nur irgend-
wie für ein Frühstück vorstellen und wünschen könnte. Genial. Vielen
Dank. 100 Punkte. Dann wurde noch ein wenig mit dem wirklich riesi-
gen Hund des Hauses im Garten getobt und das Ziel für das letzte ge-
meinsame Konzert mit CLOSEDOWN angepeilt. Dies sollte in dem uns
bekannten Komm in Düren steigen.
Ohne besondere Vorkommnisse erreichten wir wieder mal überpünklich
das Ziel. Die Zeit bis zum Ausladen wurde mit einem Stadtbummel und
Streetsoccer bei bestem Sommerwetter genutzt. Organistor des Kon-
zertes war das SUMO-Team, dass wir nach ganz gut vom letzten Mal
kannten. Wir wussten, dass eigentlich nix schiefgehn kann, also mach-
ten wir es uns im gesicherten Backstage gemütlich. Es gab ein reich-
haltiges Buffet, viel Bier und ein ganze Armee von Helfern und Tech-
nikern, die die Stage und den Sound professionell herrichtetetn. Oben
wurden schon gemeinsame Erinnerungs- und Tourgruppenfotos ge-
schossen und in Erinnerungen über die letzten Gigs geschwelgt. Früh
war sogar ein kleiner Haufen Leute da und einem schönem Abschieds-
konzert für CLOSEDOWN konnte nichts mehr im Wege stehn. Diese
sollten am nächsten Tag weiter in die Schweiz fahren, während wir am
übernächsten Tag den letzten Gig "alleine" spielen würden.
Zunächst kam die Ersatzband DRAC SHIGAN aus Düren, die für DIE
LLAMA eingesprungen war. Diese überraschten mit abwechslungsrei-
chen, orientalisch anmutenden Sounds und ausgefallen Beats. Das
Publikum war angenehm locker und scheinbar bereit weiter zu gehen.
Nun durften wir ran: Fähige Menschen an den Reglern, gutes Equip-
ment, Drumset komplett geil getriggert und letzte Show mit CLOSE-
DOWN trieben uns zu Höchstleistungen und wir ballerten alles raus.
Die super Stimmung und der gute Sound machten richtig viel Spaß
und wir spielten liebend gerne mehr als eine Zugabe für die Leute.
Nun kam schmerzlicher Weise die letzte Show von den coolen Ka-
nadiern und die pflügten den Laden auch gleich komplett um. Wir
waren noch klitschnass da gings schon weiter mit schwitzen im
Moshpit vor der Stage. Geile Songs, geiler Gesang, geiles Geschrei,
geile Show, einfach super die Band. Wir sogen jede Minute auf und
die Gefühle nach der Show waren irgendwo zwischen Trennungs-
schmerz und saucoolem Konzert anzusiedeln. Der Merchstand
wurde auch dieses mal nach Beendingung des Konzertes gut be-
sucht und T-Shirts in Hülle und Fülle verkauft (Closedown-Rosa!)
und signiert. Nach dem Verladen wurde noch eine kleine Abschieds-
Aftershowsession im Backstage eingeleget, wo auch das SUMO-
Team hart am Start war ;-). Wir knüpften noch nette Kontakte und
ließen uns für Januar '07 wieder ins Komm einladen. Draussen mus-
sten wir uns dann entgültig von den liebgewonnen Jungs von
CLOSEDOWN verabschieden, da sie weiter in die Schweiz fuhren.
Wir versprachen uns jedoch gegenseitig, dass dies auf keinen Fall
das letzte gemeinsame Konzert gewesen sein sollte. Kurz und
schmerzlich trennten sich unsere Wege und wir fuhren nach Hause,
weil wir morgen wichtige Uni-Termine hatten. |
05/19/2006, BERGKAMEN-OBERADEN, JZ YELLOWSTONE
Day08: Actions Over Words
Wieder halbwegs fit trafen wir uns wieder bei Niko. Diesmal leider
ohne fetten Tourbulli, aber dafür mit Marvin, unserem Lieblingsmer-
cher. Leider verzögerte sich der Start ein wenig, da ein Vorderreifen
unseres Opel Kombi schlapp zu machen schien. Wir brachten ihn
kurzerhand wieder auf Druck und versuchten unser Glück- zumindest
erstmal bis Bielefeld, wo wir Niko vom Bahnhof abholen mussten.
Wieder mal war auf Schlands Straßen die Hölle los, kein Wunder am
Freitag Nachmittag. Der Reifen schien zu halten und spät wars nun
auch schon, also fuhren wir einfach bis Bergkamen durch und trafen
etwas verspätet am Yellowstone ein. Eigentlich hatten wir es auch
gar nicht eilig, da wir im Rahmen eines Bandcontests am Ende wäh-
rend der Juryberatung spielen sollten, also außer Konkurrenz als
Bonusband. Im Club war schon die gesamte HBR-Crew versammelt,
da wir uns ja quasi im Epizentrum von HORROR BIZ RECORDS be-
fanden. MAY THE FORCE BE WITH YOU war wieder fast komplett
am Start und alles deutete Stimmungsmäßig auf einen coolen Abend
hin. Wir bekamen erstmal lecker Abendessen mit reichlich Snacks
und Beer aufgetischt und quatschen mit Bekannten. Nachdem unser
Merch neben Daves imperialen Merchstern aufgebaut war, stand
auch sogleich wieder Kicker auf dem Plan. Harte A und B Battles
sowie Mixedmatches pushten uns soweit, dass sogar Herausforderer
zu Null geplättet wurden und kriechen mussten. Nebenbei lief der
Bandcontest schon in vollem Gange. Vier Bands irgendwo zwischen
Ska und Punk machten es unter sich aus. Der Konzertraum war
allerdings dermaßen aufgeheizt, dass wir nur selten einen Blick
hineinwarfen. Nur soviel: die Stimmung war super und jede Truppe
feuerte und feierte ihre Band natürlich heftig an.
Später waren dann alle Bands durch und wir schlugen uns zur Stage
durch, was ca. 10 Minuten dauerte, obwohl diese nur 20m vom
Backstage entfernt lag. Es waren mittlerweile so unglaublich viele
Leute da, das die Gänge einfach verstopften. Irgendwann waren wir
dann endlich am Ziel und bauten unseren Kram auf und an. Der
Hocker vom Drumset machte Row Probleme und Niko sollte auch
noch von seiner Gitarre geärgert werden. Doch Obelix, der Lokal-
mischmeister trieb uns an und machte netten Sound klar. Wir
waren uns nicht sicher, ob wir an diesem Abend auf positive Re-
sonanz stoßen würden, denn schließlich waren ein Großteil der
Anwesenden Zuschauer ja Skajünger. Aber bekannte Gesichter
in den ersten Reihen machten Mut und wir dreschten los. Row
wurde von dem mächtigen Bassdrumsound entschädigt und
spielte halt ne Etage tiefer. Während des ersten Songs wurde
der Raum wirklich brechend voll und tatsächlich hatten weit über
200 Leute Bock dabei zu sein. Und die Menge war wirklich so-
fort dabei und es tat sich mittig ein Moshpit auf und es flogen
die Fetzen. Die gefühlte Temperatur stieg in einen gefährlichen
Bereich und oft konnte man Minutenlang nichts sehen, weil zu
viel Schweiß übers Gesicht lief. Die Party war perfekt und alle
machten mit. Sogar den guten alten Singalong von "Note On A
Tear-off Pad" hatten deutlich mehr als 40Leute drauf und wir
wurden richtig verwöhnt. Auch Marvin war mal wieder in seinem
Element, weil oft einfach keiner mit im "tanzen" will, aber da
hatten viele Lust. Allerdings besorgten es sich die Leute mal
wieder richtig am Limit und es ging drunter und drüber bis Marv
ein oder zwei schlechtplatzierte Bodychecks abbekam und sein
Abendessen nochmal kurz zum Gassi gehen vor die Tür brachte.
Die Stimmung war so cool, dass selbst ein Saitenriss bei Niko,
der sich nicht reparieren lassen wollte, nicht weiter negativ auf-
fiel. Also wir hatten unseren Spaß und gaben soviele Zugaben,
bis wir einfach kein Lied mehr konnten. Völlig erledigt und um 8
kg leichter verließen wir dann den kochenden Raum und führten
uns Flüssigkeit zu. Die Siegerband AWESOME SCUMPIES durfte
nochmal ran und wir chillten den Abend mit vielen netten Leuten
aus. Super Abend, super Abschlusskonzert, danke Dave. Somit
ging unsere ACTIONS OVER WORDS TOUR '06 zu Ende und
wir waren insgesamt sehr zufrieden und happy. Wie immer haben
wir coole neue Leute kennegelernt und viele coole Leute wieder-
getroffen, was auch immer gut tut. Neue Kontakte und Freund-
schaften wurden geknüpft und wieder was dazu gelernt haben wir
auch. Also alles bestens. Dankeschön nochmal an die großar-
tigen CLOSEDOWN und an alle, die uns auf dieser Tour unter-
stüzt und geholfen haben! Hope see you soon out there! |
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