TOURDIARY |
COULD YOU THRASH MY BRAIN TOUR 2006 (18.02. - 26.02.)
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02/18/2006, HALDENSLEBEN, JFZ DER CLUB
Day01: Welcome To (Backstage-) Paradise
Nach der Rückkehr aus Polen freuten wir uns darauf, endlich wieder in
heimischen Gefilden unterwegs sein zu dürfen. Wir trafen uns mittags an
der Homebase in Minden mit den uns wohlbekannten EmoPunkrockern von
DAILY REASON, mit denen wir die gesamte Tour bestreiten würden. Nach
einem herzlichen Wiedersehen brachen wir direkt gen Osten auf. Mit von
der Partie war Edeljoker Alli als Spitzenleihbassist der Bückeburger TE-
LEVISION TIMEOUT. Diesmal allerdings fuhren wir nicht mit unserem
Standartvehikel, sondern VW hatte uns im Rahmen des "Volkswagen Sound
Foundation" Programms einen Top ausgestatteten T5 Bulli für die gesamte
Tour gesponsert. Also konnten wir fernab jeglicher Platzprobleme die Fahrt
genießen und die Kronkorken knallen lassen. Im zweiten Bulli für den Trip
waren unser Toureigener Techniker Thomas samt Equipment untergebracht.
Schnell erreichten wir unser erstes Ziel, den "Club" in Haldensleben, auf
der dunklen Seite der Macht ;). Die Location sah vielversprechend aus.
Schöner Konzertraum, schöner Barbereich und WOW, fetter Backstagebe-
reich! Rekordverdächtig war zunächst die schiere Größe der Backstage,
da es eine fast leerstehende Halle war, gefolgt von einem zweiten, gemüt-
lichen Backstagebereich, der mit Sitzgelegenheiten und Tischen ausgestat-
tet war. Die Halle bot vielfälltige Sport- und Freizeitmöglichkeiten in Form
von: Tischtennisplatte, Kickertisch, Federballausrüstung, Frisbeescheiben
usw. die wir alle gerne und ausgiebig vorm Konzert nutzten. So wurde nach
dem Aufbau der Stage erstmal eine amtliche Runde T-Tennisrundlauf bei-
der Bands eingeläutet und bis zur völligen Erschöpfung gezockt. Dann wur-
den wir ausgiebigst und in mehreren Etappen mit Essen und Trinken ver-
sorgt und wir waren rundum wunschlos glücklich.
Beim nun folgenden Soundcheck gab allerdings Alis Bassbox plötzlich den
Geist auf. Das brachte uns etwas in Bedrängnis und versetzte Ali verständ-
licher Weise einen unangenehmen Schock, da seine Box fast neu und in ta-
dellosem Zustand war. Eilig wurde Ersatz vom Veranstalter organisiert und
dem Konzert stand nichts mehr im Weg. Gegen 23 Uhr war der ganze Club
dann prall mit Publikum gefüllt und DAILY REASON eröffneten den ersten
Tourgig. Mit Ihrer gelungenen Mischung aus schnellem Punk, Emo und Rock
wurden die zahlreichen Zuschauer begeistert und der Club musikalisch in
Stimmung gebracht. Währenddessen trug sich am Merchstand eine seltsam
lustige Szene zu, als Robin von einem Zuschauer wirklich richtig ernsthaft
gefragt wurde, ob das Gerücht, dass nun jemand von BOY SETS FIRE bei
D.I.E. mitspielen würde, wahr sei. Wir lachten herzlich. Fast hätten wir da-
raufhin Ali als BSF-Überläufer auf der Stage vorgestellt, aber die Nummer
war dann doch irgendwie zu abgedreht. Anyway, wir rockten die Bude und
nicht mal die Muskelkrämpfe vom exzessiven Tischtennis spielen im Vor-
feld konnten uns einen Strich durch die Rechnung machen. Die Aftershow-
party war ausgedehnt und die Leute feierten bis in die frühen bzw. späten
Morgenstunden. Die Bands zogen allerdings das reichhaltige Sportpro-
gramm vor und es wurde bis 5 Uhr morgens gezockt, gezockt und noch-
mals gezockt. Als Absacker gabs dann gemütlich Schach und Panzer-
quartet aus dem Backstagespieleschrank und dann wurde im Club ver-
streut geschlafen. |
02/19/2006, BERLIN, OCTOPUSSY CLUB
Day02: Bro' Hymn für Chris
Am nächsten Morgen wachten wir ziemlich unterkühlt auf der Stage im
"Club" auf. Scheiße uns war echt kalt und wir merkten, dass die Kälte uns
einen sehr unerholsamen Schlaf beschert hatte. Also quälten wir unsere
steifen Gliedmaßen aus den Schlafsäcken und zockten uns wie am Vor-
abend mit Tischtennisrundlauf und Kicker wieder warm. Dazu gab's lecker
Frühstück mit Rinderhirn (oder etwas was so ähnlich aussah) und wir ver-
luden langsam aber sicher alle Klamotten in die Bullis. Dann wurde Kurs
auf Berlin gesetzt und nach einer Stunde Fahrt erreichten wir den legen-
dären "Octopussy Club". Tourplakate oder andere Werbemaßnahmen wa-
ren eher sparsam angewendet worden, zumindest war in der näheren Um-
gebung ausser einem Din-A-4 Zettel nix dergleichen zu finden. Also
schraubten wir uns erstmal kollektiv einen dicken Berlin-Döner rein und
begutachteten das Viertel um den Laden. Dieser öffnete dann gegen
Abend seine Tür für uns: Ganz großes Damentennis! |
02/22/2006, MÖNCHENGLADBACH, GARAGE
Day05: Frankensteins Garage
Wieder fit und ausgeruht nach zwei Tagen Pause ging es in die 2. Halbzeit
der Tour. Wir fuhren einen kleinen Schlenker über Dülmen und kleine, un-
bekannte Dörfer wie Rorup, um die einzelnen Mitglieder von DAILY REA-
SON einzusammeln. Das kostete schon mal richtig Zeit, denn komischer-
weise gab es dort in der Gegend hunderte kleine Straßenausläufer mit
exakt den gleichen Namen, die zwischen Wäldern und Feldern verliefen.
Zwischendurch fühlten wir uns so verloren, dass wir kurz vor einer Hügel-
kuppe glaubten die Welt würde in Rorup enden und wir würden dahinter in
einen unendlichen Abgrund fallen. Aber dem war zum Glück nicht so, den-
noch zweifelten wir an der Realität des Ortes, als dann hinter der Kuppe
ein gewaltiges "etwas" aus dem Boden ragte und sich rasend schnell dreh-
te. Angst machte sich breit, da dieses ca. 15m hohe Gerät stark an eine
Tessler-spule aus C&C erinnerte. Nun gut, wir wurden nicht von blitzenden
Energiestößen getroffen und verließen die Gegend so schnell wie möglich
mit den anderen Jungs an Bord. Unser Ziel war die "Garage" in Mönchen-
gladbach. Die Fahrtzeit wurde mit Schach und lustigen Geschichten von
damals vertrieben und wir trafen in Gladbach ohne nennenswerte Zwisch-
enfälle ein. Die "Garage" zu finden war allerdings nicht so leicht und wir
verfranzten uns etwas in der Innenstadt, bevor wir endlich falschrum durch
eine Einbahnstraße das Ziel erreichten. Ein riesiger Hooligan-Typ mit
"Hate"-Tattoos hielt seinen Kampfhund zurück und gewährte uns Einlass
in die Kneipe, welche einen sehr gemütlichen Eindruck machte. Die Decke
war wie eine Tropfsteinhöhle gestaltet und die passenden "Steinsäulen"
gab's gleich dazu. Nur der Typ hinter der Bar machte uns ein wenig Angst,
da er äußerlich irgendwie was von dem Frankensteinmonster hatte. Ist ja
auch egal, nett war er auf alle Fälle. Wir stopften den Laden mit Konzert-
equipment voll und benötigten gut die Hälfte des gesamten Innenraums
der Kneipe. Besucher kleckerten eher sporadisch rein und so wurde halt
vor halbvoller Hütte das Konzert von DAILY REASON eröffnet. Wir legten
nach und es kam sogar ein wenig Stimmung unter den wenigen Gästen auf.
Besser als das Konzert an sich waren dann die folgenden Gespräche mit
etlichen interessierten Zuschauern nach der Show, wobei sich der Laden-
besitzer als Bandmitglied von den Punk-Urgesteinen EA80 entpuppte.
Während Mix- und Soundmaster Thomas die Anlage wieder sorgfältig
in den Bulli packte, fingen wir leicht angetrunken an in der Innenstadt-
straße Fußball zu spielen. Dabei bemerkten wir, dass sich diese um halb
eins immer stärker mit partywilligen Leuten füllte. Also Tip: Konzerte in
Gladbach innerhalb der Woche am besten nicht vor halb eins morgens
starten! Das Partyvolk wurde schön in unser nächtliches Kicken mit
einbezogen und wir bolzten immer wilder bis die Pille in so einen Nacht-
clubschuppen an der Ecke flog. Raus kam ein richtig geiler Türsteher...
eine Mischung aus gebräuntem Bodybuilder mit kleinem Pimmel und
Indianer mit Iro-verschnitt. Er wurde liebevoll "weiße Feder" getauft
und vermasselte uns die Bolztour. Wir wollten sowieso gerade aufbrech-
en und steuerten zunächst den Bahnhof an. Dort holten wir Benny "Ba-
goo" ab, der uns für den Rest der Tour am Merchstand und als Mas-
kottchen unterstützen sollte. Dieser gestand erst nach Stunden, dass
seine Perle direkt vorher am Bahnhof noch schnell per Telefon mit ihm
Schluss gemacht hatte, war aber erstaunlich gelassen... Er sagte, er
sei es gewöhnt. Aber Hauptaugenmerk sollte die Rückfahrt an sich
sein: Ziel war wieder das unheimliche Rorup, um bei Stefen von DR im
Proberaum zu schlafen. Leider wurde es zu einer unglaublichen Odys-
see im "Fear and Loathing"-Stil durch Gladbach. Im Drogen- und Al-
koholrausch klappte die Kommunikation zwischen unfähigem Navigator
und sturem Fahrer (ja DER war schon nüchtern) irgendwie gar nicht
und jeder hatte natürlich einen besseren Fahrplan als sein Nebenmann
auf Lager, was uns eine Stunde Extrafahrzeit einbrachte. Die Odysee
wurde im Raum Dülmen fortgesetzt, da die Jungs von DAILY REASON
offensichtlich keine Ahnung hatten, wo ihr zu Hause war und wie sie
dorthin gelangen sollten (Storchi: "Warte... fahr mal langsamer...
nee, hier ist es doch nicht, fahr weiter." Schließlich hatten wir es dann
irgendwie zu Stefans Butze geschafft und hauten uns im Proberaum
hin. Niko wollte lieber "ganz nah" bei Stefan sein und schlief als ein-
ziger mir ihm in seinem Zimmer. Klug, wie sich morgens rausstellten
sollte... |
02/23/2006, MÜNSTER, CAFÉ LORENZ
Day06: Bowl Of Death
Die Nacht endete für die Proberaumschläfer ungemütlich: Wir erwachten
wieder einmal vor Kälte und ein Weiterschlafen war wegen permanentem
Zittern unmöglich. Das der Raum unbeheizt war, fiel uns beim Einschlafen
nicht weiter negativ auf, aber stellte sich als wirklich fiese Kältefalle raus.
Also wurde schnell geduscht und sich in der Küche eingefunden. Nachdem
wir satt und wieder warm waren, schlugen wir die Zeit bis zum Aufbruch
nach Münster mit "Singstar" auf PS2 tot. Allis und Bennys Gesangskün-
ste beeindruckten uns nicht schlecht und wir sangen die ganze Songpa-
lette mehr schlecht als recht rauf und runter. Dann fand sich auch endlich
der Rest der Heimschläfer von DAILY REASON ein und "Café Lorenz"
wurde angesteuert. Ein großes, schönes Jugendcafé mit großer Stage
und großem Konzertraum erwartete uns. Da noch bewirtet wurde, spielten
wir zunächst Fußball und dann wurden die Skateboards auf dem Hausei-
genen Skatepark gerollt. Eine richtig schöne Anlage mit allem was dazu
gehört. Nur die Parkeigene Bowl war so beängstigend tief, dass man sich
ihr als nicht schwindelfreier Mensch nur ganz langsam nähern konnte.
Adrian wagte einen Arschrutscher hinein und kam nur ganz knapp und
mit viel Anlauf wieder hinaus- dank Einstiegsschräge und Metallstange.
Geschichten um dieses riesige Loch besagen allerdings, dass es in all
den Jahren nicht jeder wieder heraus geschafft hatte... Als der Cafébetrieb eingestellt wurde und die Besitzerin sich von einer
Stressattacke beruhigt hatte, konnten wir Anlage und Instrumente in-
stallieren und auf Publikum warten. Der erhoffte Anstrum blieb aller-
dings aus und so mussten die lustig-lächerlich gekleideten Grunge-
rocker von JICKS AGAINST NORM leider vor ca. 25 Besuchern das
Konzert eröffnen. Zum Glück spielten wir dank Losverfahren auf der
zweiten Position, denn unmittelbar vor unserem Gig eröffneten uns 2
junge Zuschauer, dass sie extra wegen uns von weit her angereist
waren und sehr bald schon wieder ihren Zug nach Hause erwischen
müssten. Also zogen wir unser Ding fix durch und die beiden konnten
bis auf die letzten 2 Songs alles sehen. Dadurch konnten wir auch
praktischer Weise früher anfangen zu saufen. Als letztes rockten DR
den doch nun etwas volleren Laden und wir waren mit dem Gesamter-
gebnis nach vielen Bieren relativ zufrieden. Unsere Aftershowparty
sollte erst in der Münsteraner Altstadt steigen, aber wir verlegten sie
lieber wegen undurchschaubarem Karnevalstreiben zu Timo, dem
DR-Sänger, nach Dülmen nach Hause. Dort wurde dann noch ordent-
lich nachgeschüttet und Party gemacht, bevor es ins gut beheizte
und super ausgestattete Gästezimmer zum Schlafen ging. |
02/24/2006, DÜLMEN, NEUE SPINNEREI
Day07: Sex, Drugs & Rock'n'Roll
Morgens wachten wir leicht verkatert auf und passend zu dem Zu-
stand wollte Timos Katze draußen auf dem Schrägfenster zu uns ins
Gästezimmer rein. Das Fenster wurde angekippt und die Katze sprang
im hohen Bogen genau auf Benny, der als einziger noch hartnäckig
schlief. So war für ihn die Nacht auch vorbei und er belustigte uns
mit Karatemoves in seinem geilen weißen Herrenschlafanzug. Nun
duschten wir nacheinander im etageneigenen Bad aber auch dort
hatte sich wieder einmal eine kleine fiese Kältefalle versteckt: Die
Dusche lieferte ausschließlich saukaltes bis laukaltes Wasser aber
dadurch wurden wir wieder halbwegs frisch. In der Küche wurde ge-
frühstückt und auf dem Balkon bei herrlichstem Sonnenschein Kip-
pen geraucht. Stefan und Timo holten noch ein Auto vom Café Lo-
renz ab und wir chillten ausgiebig auf Timos Bett und guckten DVD.
Schließlich hatten wir es ja nicht eilig, da die "Spinnerei" auch in
Dülmen, quasi um die Ecke lag. Irgendwann am frühen Nachmittag
fuhren wir dann dorthin und die Stage wurde ausgebaut, die Anlage
verkabelt und die Instrumente in Stellung gebracht. Ein herzliches
Wiedersehen gab's natürlich mit unseren Leuten von City-Rat-Re-
cords und es gab einiges zu erzählen. Es wurden laufend Wetten
abgeschlossen, wieviel Leute wohl an diesem Abend zum Konzert
kommen würden und wir merkten, dass wir uns ganz schön müde
und kaputt von den Vortagen fühlten. Schließlich wurden um 19 Uhr
die Türen für die Besucher geöffnet, nachdem Thomas wieder ge-
wohnt souverän und mit einer Extraportion geiler Sprüche den So-
undcheck der 1. Band vollzog. Die legte dann pünktlich los und es
strömten langsam aber kontinuierlich Leute in den Laden. LONGING FOR TOMORROW begeisterten alle mit einer sauberen
Emo-Hardcore-Mischung, die richtig krachte und die Leute neugierig
werden ließ. Echt eine super Band, wer Gelegenheit hat sollte sie sich
nicht entgehen lassen. Der Laden füllte sich immer weiter, denn DAI-
LY REASON waren hier schließlich auch keine unbekannte Band. Die
rockten dann im Anschluß derbe das Haus und die nunmehr um die
200 Zuschauer gingen gut ab. Diese energiegeladene Atmosphäre
hatte wohl auch die letzten Leute vor dem Laden erreicht und nun
hatten echt alle Bock. Kurz bevor wir dann dem Publikum den Rest
geben sollten musste der Laden dann original zum ersten Mal seit
seinem Bestehen wegen Überfüllung verriegelt werden. Full house,
ausverkauft, keiner kam mehr rein. Nicht mal die, die draußen vor
den Scheiben des Backstagebereiches um Einlass bettelten. Die
Stimmung war mächtig aufgeheizt und ein riesiger Mop von 270
konzertgeilen Dülmenern quetschten sich erwartungsvoll im Club.
Von der 1. Sekunde des Eröffnugssongs drückten die Leute das
Gaspedal bis zum Bodenblech durch und explodierten förmlich.
Riesige Shockwellen gingen durch die Menge und warfen oft mehr
als 10 Leute gleichzeitig auf die Stage oder den Boden. Kurzum,
es ging drunter und drüber. Schreichöre und Massen-Singalongs
ließen die Stimmung überkochen und wir wurden natürlich von so
viel überwältigender Resonanz total mitgerissen und rockten uns
ebenfalls die Ärsche weg. Da man häufig von so geilen Shows
träumt kam es uns fast surreal vor. Auch als die Leute am Ende
einfach nicht genug bekommen konnten und lautstark eine Zugabe
nach der anderen forderten. Selbst als unser Set wirklich komplett
ausgespielt war und wir kein Ass mehr im Ärmel hatten wurden wir
genötigt, einfach einen Song doppelt zu spielen. Normalerweise ist
das ja ganz schön Banane, aber an dem Abend für das Publikum
wäre wohl alles denkbar gewesen. Auf jeden Fall war das Konzert
der Hammer schlechthin. Genau deshalb konnte uns auch der Ka-
ter vom Vortag jetzt nicht vom feiern abhalten und wir fingen wieder
an Bier zu saufen und uns mit vielen begeisterten Zuschauern zu
unterhalten. Nachdem die "Spinnerei" quasi leergetrunken war
wurde die Aftershowparty dann weiter in die lustige Absturzkneipe
"Gecko" verlegt. Dort lagen zu unserer Belustigung schon völlig
komatöse Alkoholopfer auf den Bänken und in ihren Stühlen.
Jetzt wurde noch ein Gang hochgeschaltet und feinster Indus-
triewodka bis zum freiwilligen Tanzen konsumiert. Die Party nahm
ihren Lauf und es flogen Leute über Tische und Stühle, es wurde
gegessen, gebrochen, gesoffen und Scheiße gebaut. Timo hatte
sich noch flink eine Perle (Tina) klargemacht und wir begaben uns
dann im Anschluß wie am Tag zuvor zum ihm nach hause. Dort
wurde allerdings nicht gleich vollstramm geschlafen, sondern noch
munter und ausgelassen weitergemacht. Als niemand mehr einen
Tropfen reinbekam und die letzte Fluppe auf dem eisigen Balkon
geraucht wurde, war dann Rausch ausschlafen angesagt. Während
Adrian die Nacht mit Miriam verbrachte (natürlich rein platonisch),
hatte Timo Tina in sein Bett verfrachtet und schritt munter zur Tat.
Wie Schuppen von den Augen fiel ihm danach ein, dass er und
seine Partnerin ja wohl nicht alleine im Raum sein könnten, also
fragte er mal dezent in den stockdunklen Raum hinein, ob noch
jemand dort schlafen würde und DR-Bassist "Storchi", der hinten
auf der Couch lag räusperte mal dezent zurück. Es wird vermutet,
dass Storchi, während Timo schwer am arbeiten gewesen war, sich
den Kasper geklatscht hat. |
02/25/2006, RUSSDORF, AREA 23
Day08: Party-hell on earth
Hart angeschlagen erwachten wir durch unsere Wecker. Im Eifer des
Gefechtes gestern hatten wir nur sehr wenige Stunden Schlaf abbe-
kommen und mussten zeitig am Treffpunkt mit Thomas sein, um die
weite Stecke nach Rußdorf bei Chemnitz zu fahren. Nicht alle von uns
schafften es, ihre Knochen pünklich aus dem Bett zu heben. Trotz
grausamer Partynachwirkungen wurde die kalte Dusche benutzt und
sogar die Dusche im Keller fit gemacht. Unser Leihbassit Alli war
allerdings nicht in die Funktionsweise der Abwasserabsaugpume ein-
geweiht gewesen und musste mittendrin eingeschäumt abbrechen.
Dann gabs feines Frühstückchen und es wurde sich viel zu langsam
abfahrbereit gemacht. Thomas musste leider eine halbe Stunde auf
uns warten und beim Treffpunkt konnte es immer noch nicht losgehen,
da Adrian unbedingt auf einen Energydrink gegen seine Müdigkeit
bestand. So wurde zunächst ein Aldi angesteuert, aber Adrians ge-
schulter Billigmarktblick erkannte sofort, dass es hier keinen Wach-
macher gab und er bließ noch bevor jemand was in der Hand hatte
zum Aufbruch zum Lidl. Also alle zurück in den Wagen, bis auf Benny,
der die Ansage hartnäckig ignorierte und eine Pulle Wodka kaufen
musste. Adri stieß ein paar Arschloch-Flüche aus und fuhr ohne Benny
zum Lidl. Dort wurde sich eingedeckt und dann Benny, der verstört
vorm Aldieingang auf und ab ging, eingesackt. Thomas im anderen
Bulli war nicht sonderlich begeistert von dem Kindergarten und ent-
ging zur Krönung nur um wenige cm einem heftigen Crash mit einem
LKW, der ihn vor der Aldieinfahrt zu spät gesehen hatte. Na gut, wir
beruhigten uns wieder und versuchten auf der langen Fahrt in die
Area 23 in Rußdorf ein wenig Ruhe und Schlaf zu finden. Da wir ja viel
zu spät loskamen, kamen wir auch logischerweise viel zu spät an der
Area 23 an. Diese entpuppte sich als saufetter Veranstaltungsort mit
ungeheuren Ausmaßen mitten in der Walachei. Wir beeilten uns, das
Bühnenzubehör und einfach alles schnell startklar zu machen, aber es
zog sich wie Kaugummi. Der Laden war mittlerweile nach 2 Stunden
über Einlass proppevoll und weit über 200 Leute guckten erwartungs-
voll auf die Stage. Aber Thomas hatte leichte Probleme mit der Tech-
nik und der Starttermin fürs Konzert verschob sich immer weiter.
Letztendlich konnten dann die Kollegen von DAILY REASON loslegen
und ließen es gewohnt gut krachen. Die Zuschauer blieben allerdings
unbeeindruckt und ließen sich nur schwer Applaus abringen, von Be-
wegungen zur Musik mal ganz abgesehen. Als wir dran waren sah das
ziemlich ähnlich aus, aber zum Glück machte die DR-Crew gut Stim-
mung und riss im Endeffekt auch eine Hand voll Leute tanzmäßig mit.
Später wurde uns erzählt, das einige Zuschauer nur aus dem Grund
nicht mit der Wimper gezuckt hatten, weil wir "Wessi-Bands" waren.
Viele entschuldigten sich jedoch kopfschüttelnd bei uns, redeten etwas
von "cooler Show" und "Mauer in den Köpfen" und so wurden doch noch
sehr nette Kontakte geknüpft. Das Stimmungsmäßig nicht viel ging,
wurde dann durch die dann folgende Party wieder ausgebügelt.
Trotz Kater und spürbarer Erschöpfung nach den ganzen Tagen wurde
wieder hart am Glas gefeiert. Wodka aus Plastikbechern und lustige
Gespräche mit Veranstalter und Mitarbeitern ließen uns unkontrolliert
ausschweifen. Strochi und Stefen hatten sich in eine abgewrackte Dorf-
disco abgesetzt und Benny flirtete mit der Kleinen, die den Boden nach
der Show wischen musste. Als die Bande wieder komplett im Club war,
versuchte Adri zu schlafen, da er ja am nächsten Tag wieder den weiten
Weg zurück fahren sollte - vergeblich. Nackte Ärsche gabs in 3er-For-
mation und Gröll- und Kotzgeräusche zerfetzten die Nachtruhe. Benny
hatte die schwer minderjährig-aussehende Wischperle mittlerweile ins
Schlafzimmer mitgeschleppt und raubte Adri mit seinen lächerlichen
Liebesbeschwörungen den letzten Nerv ("Komm her... ich halt dich fest...
ich beschütz dich, dann passiert dir nichts!"). Stefan wurde unterdessen
Minuten nach dem Einschlafen einfach mal unsanft aus dem Schlafsack
gezerrt und fing zur allgemeinen Belustigung der Anwesenden an zu
Schlafwandeln. Er neigt im nüchternen Leben wirklich zu Schlafwand-
lerischen Aktionen und zog auch diese Nacht alle Register. So ging er
dann schlafend zwei Treppen um die Ecke runter und quetschte sich
dann in einen winzigen Abstellraum unter die Treppe. Er konnte nicht
mal aufrecht darin stehen und fing an wirres Zeug zu reden. Das verlor
für den Rest des Partymobs schnell an Unterhaltungswert und er wurde
kurzerhand zurückgelassen in der Annahme, dass er schon wieder zu
sich kommen und wieder rauf ins Bett gehen würde. Doch nach einiger
Wartezeit war nix von Stefan zu sehen und DR-Gitarrist Josh schaute
nochmal vorsichtshalber nach und siehe da: Stefan hockte immer noch
total verstört und schlafend in der Kammer und machte nicht den Ein-
druck zu sich zu kommen. Irgendwie kam er dann doch mit ein wenig
Nachhilfe wieder in seine Penntüte und alle fielen nach und nach ins
Koma. Geile Party. |
02/26/2006, MELLE, KULTURZENTRUM WILDE ROSE
Day09: Heinzis lustige Laube
Fix und fertig mussten wir uns zeitig aus den Betten fallen lassen. Wir
waren alle richtig schön im Arsch und wollten eigentlich nur duschen,
um wieder irgendwie klar zu kommen. Benny hatte alle Clubschlüssel
am Abend zuvor von der Chefin bekommen und wurde schon da warnend
als unqualifiziert und "schlechte Wahl" bezeichnet...völlig zu recht. Die
Duschen waren abgeschlossen, der Schlüssel bei Benny und Benny nicht
mehr da. Sein Schlafplatz war leer und er und die Ostperle waren ver-
schwunden. Der Laden wurde abgesucht in der Hoffnung die 2 in irgend-
einer Ecke zu finden um die Schlüssel zu bekommen, aber statt dessen
fanden wir nur eine weit offenstehende Hintertür. Bagoo hatte offenbar
triebgesteuert auf die Sicherheit des ungeheuer teuren Equipments im
Club geschissen und Dieben und Gesindel die Tür zum Glück gleich die
Nacht über offen gelassen. Auf seinem Handy war er nicht zu erreichen
und so wurde mit dem Frühstückskommando vom Club ein Name und
eine Nummer der möglichen Perle, bei der Bagoo sein könnte ermittelt.
Es ging uns nicht darum Benny wieder mit an Bord zu bekommen, sondern
primär darum, die Clubschlüssel zurückzubringen. Als wirklich schon
alles in die Bullis verladen war und wir unmittelbar vorm Aufbruch stan-
den, tauchte plötzlich Benny mit einem dumm-breiten Grinsen auf und
versicherte es stolz, das er es dem Mädel ordentlich besorgt hatte. Auf
ein "Danke, wegen dir konnte hier KEINER duschen" entgegnete er nur
"Wieso, ich hab doch auch nicht geduscht." und machte sich mächtig
unbeliebt. Der von der Besitzerin lang erwartete Schlüssel wurde sofort
von ihm ausgehändigt und zu ihr gebracht. Diese kam allerdings wütend
wieder und meinte, dass das nicht der richtige Schlüssel sei. Alle dachten
schon Benny hätte sein volles Repertoir an Dummdreistigkeit ausge-
schöpft, aber da hatte der Kerl original seinen Hausschlüssel abgegeben.
Alle fassten sich an den Kopf, da niemand glaubte das es immer noch
dicker kam. Auf jeden Fall brachten ihm diese und ähnliche Aktionen
Spitzmanen wie "The Specialist" oder "dummes Arschloch" ein. Dann
musste er sich danach noch einiges von uns anhören und wollte eigent-
lich sofort nach Hause. Wir konnten ihn aber nach einiger Zeit davon
überzeugen, dass er uns mehr belustigt als schadet, und dass er ein
unverzichtbares Tourmaskottchen sei. Nach der ganzen Aufregung
machten wir uns dann halbtot auf die lange Fahrt nach Melle. Die meiste
Zeit wurde geschlafen und Restalkohol abgebaut. Am Abend trafen wir
dann an der letzten Location der Tour ein, dem "Kulturzentrum Wilde Ro-
se". Dramatischer Name, entpuppte sich aber als mittelkeine Gartenlau-
be, die mit den anwesenden 50/60 Zuschauern schon völlig aus allen
Nähten platzte. Mit den zusätzlichen Leuten aus den Bands wars dann
richtig eng darin, aber das verhinderte auch, dass man stehend und
gleichzeitig schlafend nicht umkippte. Total übermüdet ließen wir uns
dann von den Klängen der 1. Band einlullen und vegetierten vor uns hin.
DAILY REASON waren als zweites dran und gaben alles, was die Not-
reserven noch lieferten. Stefan musste hart gegen einen aufdringlichen
Brechreiz ankämpfen und sah wirklich nicht gut aus. Ähnlich erging es
uns danach. Wie Zombies standen wir in der Laube und versuchten das
letzte aus unseren schlappen Körpern zu pressen. Sekundenschlaf bei
mehren Mitgliedern erschwerte einen fehlerfreien Auftritt und wir mus-
sten uns regelrecht durchs Programm kämpfen. YELL OF RAGE mach-
ten dann den Headliner und lieferten eine richtig gute Rockshow mit
technisch ausgefeilten Stücken. Nach dem Konzert wollten eigentlich
alle nur noch nach Hause, aber hin- und hergerissen zwischen Müdig-
keit und Letzter-Tourtag-Atmosphäre wurde noch recht lange rumge-
albert und Abschiedsfotos geschossen. Wir brachten die liebgewonnen
Jungs von DAILY REASON nach Hause und schwelgten noch einige
Minuten in amüsanten Tourerinnerungen, bevor wir uns schweren Her-
zens trennten und auf den Heimweg machten. Alles in allem war es
eine richtig coole Tour mit allen dazugehörigen Höhen und Tiefen.
Wie immer haben wir viel dazugelernt und neue Kontakte zu netten
Menschen geknüpft. Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns auf
Tour unterstützt und geholfen haben. Es hat uns allen richtig viel Spaß
gemacht und wir können es kaum erwarten wieder mit allen unterwegs
zu sein.
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