02/10/2006, SZCZYTNO (pl), PRZEPOMPOWNIA
Day01: Go East!
Am Freitag Morgen war es endlich soweit: wir trafen uns pünktlich um 10
Uhr bei Niko, um zu unserer ersten kleinen Auslandstour aufzubrechen.
Robin hatte schon am selben Morgen eine Klausur schreiben müssen und
überhaupt waren alle etwas von den letzten Klausur-, bzw. Lernstresswo-
chen, angeschlagen. Trotzdem waren wir unglaublich gespannt und setzten
Kurs Richtung Osten. Unser Zeitplan für die Bewältigung von rund 1000 km
von Minden nach Szczytno (Ortelsburg) war denkbar knapp, doch selbst
diese unglaubliche Entfernung konnte die Stimmung nicht drücken. Mit
leichtem Zeitdruck im Nacken nutzten wir die deutschen Autobahnen um
ordentlich Gas zu geben, da wir wussten, daß jenseits der Grenze die Stra-
ßenverhältnisse weitaus bescheidener sein würden. So erreichten wir ziem-
lich schnell die polnische Grenze.
Die Geschichten über schlechte Straßenbeläge bestätigten sich schon ca.
100 m nach der Grenze, als sich große Löcher mitten auf der Straße aufta-
ten. Vielleicht sollten durch die zwangsläufigen Ausweichmanöver die Re-
aktionen der Fahrer geschult werden; später verstanden wir warum.
Das erste menschliche Wesen, das wir sahen (abgesehen von dem Grenz-
beamten) war eine Nutte am Straßenrand samt Familie. Auf jeden Fall war
auch in Polen richtig Winter am Start. Riesige Schneehaufen säumten die
schlechten Straßen und es war bitterkalt. Schnell machte sich das unfrei-
willige Schlaglochausweichtraining bezahlt, denn nach einiger Zeit galt es,
zusätzlich überholendenAutos auszuweichen, die uns auf der eigenen Spur
entgegenkamen. Ab Level zwei, als 40-Tonner 40-Tonner auf normalen
Landstraßen überholten, bekamen wir allerdings schon etwas Angst, da uns
oft nur zehntel Sekunden und wenige Zentimeter vom dem Zermalmungs-
bzw. Unfalltod trennten.
Die Landschaft erinnerte etwas an die Gegend um Honzrath im Saarland.
Trotz aller Gefahren setzten wir die Reise Richtung Ostende Polen in die
Masuren mutig fort und rissen Kilometer für Kilometer runter. Als es dunkel
wurde, sank die temperatur stetig weiter unter die - 5 °C-Marke. Einsetzen-
der Schneefall und starker Wind erschwerten uns das Vorankommen auf
spiegelglatter Fahrbahn. Trotzdem mussten wir uns beeilen und auch die
liebevoll am Straßenrand platzierten Polizeiautoattrappen vermochten uns
nicht zu bremsen. Gerade noch über die Polizeiautoattrappen gewitzelt, ging
Robin, der ab Poznan (Posen) das Steuer übernommen hatte, den polnischen
Cops ins Netz. In einer 40-Zone wurden wir mit knapp 90 km/h geblitzt und
direkt aus dem Verkehr gezogen. Die polnischen Beamten machten einen
leicht angepissten Eindruck und Robin wurde ins Polizeiauto (dieses Mal
ein echtes) gesetzt. Dort notierten sie die Namen seiner Eltern (warum weiß
niemand) und ließen ihn dann, vermutlich aufgrund von Verständigungspro-
blemen unbehelligt und ohne eine Strafe weiterfahren.
Die letzte Stunde vor Zielankunft war ziemlich beschwerlich. Draußen tobte
ein Blizzard und die stark vereiste Straße sorgte mit ihren tiefen Spurrillen
immer wieder für Schockeffekte. Schließlich erreichten wir den Club "Prze-
pompownia" im verschneiten Szczytno. Dort sahen wir zum ersten Mal mehr
als drei Polen auf einem Haufen. Der kleine Veranstaltungsort mit Bar hatte
eine kultverdächtige Atmosphäre und war proppevoll. Die ponischen Locals
TROCKI spielten schon ein äußerst aggressives Metalbrett mit weiblichem
Shouter à la Walls Of Jericho und rissen das Publikum mit als wir eintrafen.
Gestärkt von Speis und Trank richteten wir uns danach mit dem leicht
schwächelnden Equipment auf der Bühne unter einer Treppe ein. Mikrofone
und Kabel hatten schon deutlich bessere Tage gesehen. Als uns versichert
wurde, dass das heutige Equipment schon überdurchschnittlich gut sei, be-
kamen wir eine leise Ahnung davon, was uns Ausrüstungstechnisch auf der
Tour noch erwarten würde. Die 13 Stunden Autofahrt waren auch nicht spur-
los an uns vorübergegangen und wir spielten nicht gerade unser bestes Set.
Der Menge war das offenbar total egal und auch unsere akustischen Ausetzer
konnten sie nicht von der aktiven Teilnahme am Konzert hindern. Das soll
heißen: die Leute tanzten zwischen uns rum und sangen -bzw. schrien - in
die Mikros wenn wir es gerade nicht taten. War auf jeden Fall eine der kras-
sesten Liveerfahrungen, die wir bisher gemacht haben. Trotz der Sprach-
barrieren hatten wir interessante Kontakte zu den äußerst freundlichen Leu-
ten. Einer konnte ziemlich gut deutsch und dolmetschte fleißig und riss lus-
tige Polenwitze, als er unser "Lenkradkrallen-Sicherheitssystem" im Auto
sah. Bei seiner Tante fanden wir unser Nachtlager. Diese war gerade zu Be-
such in Deutschland und wir hatten ihre gesamte Wohnung (ca. 15 m²) für
uns allein. Groß gefeiert wurde allerdings nicht mehr, da wir alle sehr müde
nach den Strapatzen des Tages waren und so schliefen wir postwendend ein. |
02/11/2006, TORUN (pl), PILON
Day02: A "Thorn" For Every Heart
Nachdem wir uns schön ausgeschlafen hatten stellten wir Abmarschbereit-
schaft her und warteten auf unseren Abholservice, der uns zum Treffpunkt mit
TROCKI geleiten sollte. Zuvor wollten wir eigentlich noch duschen, aber wir
stellten fest, dass das Wasser seltsam stark nach Schwefel bzw. verfaulten
Eiern roch. Um einer Kontaminierung durch die chemischen Zusatzstoffe zu
entgehen mussten wir uns dann halt unsauber auf den Weg machen. Wieder in
Kolonnenformation fuhren wir nach Torun, in Deutschland besser unter dem
Namen Thorn bekannt. Die Fahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse. Nur
ein paar kleine Hunde versuchten unterwegs in voller Fahrt mit unserem Auto
zu spielen und riskierten ihr Leben indem sie wie wild kreuz und quer über die
Straße und vor Autos liefen. In Thorn erreichten wir den Club "Pilon", welcher
sich als ehemaliger Kriegsbunker entpuppte. Wir hatten noch ein paar Stunden
Zeit, bis der Club öffnen sollte und wir verbrachten sie mit Sightseeing in der
Toruner Innenstadt. Diese war ausgesprochen schön und wir staunten nicht
schlecht über Häuser und Kirchen im alt-gotischen Baustil.
Ebenso staunten wir nicht schlecht, als der Bunker seine Tore für uns öffnete.
Kleine, enge Räume mit tiefen Decken und langen schmalen Gängen lagen vor
uns. Zu diesem Zeitpunkt herrschte dort drinnen natürlich die gleiche Tempe-
ratur wie draußen (um die -2°C) vor und wir bibberten so vor uns hin. Richtig
ungemütlich wurde uns allerdings erst, als wir herausfanden, dass die Betrei-
ber dort ein äußerst temperaturvariables Heizsystem hatten: "We are heating
with people". Keine Menschenverbrennung, sondern Bewegung und Atmung
der Zuschauer sollten den Laden aufheizen. Erfolglos wie sich später heraus-
stellte. Aber diese Unannehmlichkeit war schnell vergessen, als wir den sau-
geilen Highend-Kicker entdeckten. Das ist jetzt nicht ironisch gemeint…auch
wenn dort alles etwas schäbig war, der Kicker war echt hammer! Und so zock-
ten wir uns die kalten Flossen bis zum Gig wund und verheizten immerhin Geld.
Das Phänomen "Kickerbitch" war auch hier zu beobachten und so schlossen
wir schnell nette Bekanntschaft zu Carolina und ihrer deutsch sprechenden
Freundin, die uns den ganzen Abend über lustige Sprüche auf Polnisch bei-
brachten. TROCKI legten dann wieder zuerst musikalisch los und rockten das
Publikum warm. In der Tat stieg die gefühlte Temperatur in dem Konzertraum
leicht an, aber die Luft kondensierte trotzdem weiterhin beim ausatmen. So
blieb uns nichts anderes über, als in langen Klamotten zu spielen. Selbst Robin
traute sich nicht seine kurze Hose anzuziehen. Der Auftritt war spitzenmäßig
und das polnische Publikum total aus dem Häuschen. Natürlich lieferten wir
ausgeruht auch eine sehr viel bessere Rockshow als am Vortag ab. Steffen
haute zwischendurch noch ein paar zuvor einstudierte Sätze auf Polnisch raus
und die Menge liebte uns dafür. Ohnehin konnte man leicht seine Beliebtheit
steigern, wenn man zwischendurch mal ein paar schmutzige polnische Schimpf-
wörter fallen ließ. Fazit war auf jeden Fall ein super Konzert und ein super Pub-
likum. Unmittelbar danach fingen ein paar von uns an, die am Vortag entfallende
Feier der ersten Auslandstour nachzuholen und kippten ordentlich Bier. Wir be-
zogen dann unser Nachtlager in einer schmuddeligen WG in der hübschen To-
runer Innenstadt und feierten weiter. Die 3 netten und sehr gastfreundlichen
Polen (2 Typen und eine Frau) besorgten noch flink eine Flasche Wodka, die
nach Jägermeister schmeckte und stockten die Biervorräte auf. Während sich
Robin amtlich die Kante gab war Niko eher damit beschäftigt die sexuellen Über-
griffe der 30 jährigen Polin, die ihn liebevoll "Hobbit" nannte abzuwehren. Selbst
nach mehrmaliger Aufforderung Adrians, der seine Ruhe haben und endlich
schlafen wollte, doch nachzugeben und der Polin das zu geben, wonach sie of-
fensichtlich verlangte, blieb Niko eiskalt undliess sie abblitzen. Steffen erfreute
sich einfach am Gesamtbild des Abends und lachte herzlich, als sich Robin
schlussendlich nach Vernichtung des Wodkas in alkohlgebrochenem Englisch
im Namen aller Deutschen für den zweiten Weltkrieg entschuldigte. Nachdem
Robin seine Englisch-LK Kenntnisse ausgeschöpft ("There was a big big LKW")
und die Polin Niko an den Arsch und ans Allerheiligste gegrabscht hatte, ging
es ab ins Bett. Kurz vorm Schlafen gab es noch ein wenig Wrestlingaction und
dann ging's ab ins Reich der Träume.
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02/12/2005, ZIELONA GÓRA (pl), AWARIA SQUAT
Day03: Final Destination
Gegen Mittag erwachten wir und konnten endlich in dem völlig maroden WG Bad
duschen. Robin hatte einen Kater sondergleichen und war bis zum frühen Abend
ungewohnt schweigsam. Ob es daran lag, dass das Bier dort nicht nach dem
deutschen Reinheitsgebot gebraut wurde, oder der Wodka nach Jägermeister
schmeckte werden wir leider nie erfahren. Dem Sauerkrautsuppenfrühstück zo-
gen wir mal wieder McD um die Ecke vor. Letztes Etappenziel war die Stadt
Zielona Góra (Grünberg). Unterwegs blitzen uns mal wieder die Cops, die alle
erstaunlich neue Lasermesspistolen hatten- aber irgendwoher musste die Kohle
ja kommen. Wir hatten natürlich noch den guten Ausgang der 1. Blitzaktion in
Polen im Hinterkopf, aber diesmal kam es anders: die Cops konnten Deutsch,
verdammt. Und so wurde Adrian mit knapp 30 Sachen zu schnell zur Kasse ge-
beten. Dieser drückte allerdings etwas auf die Tränendrüse und kam mit einer
Strafe von 100 anstatt 200 Zloty davon (ca. 25 Euro ). Nach Stunden erreichten
wir unser Ziel und hielten nach dem Club "Awaria Squat" Ausschau. Auf Anhieb
war der allerdings nicht gleich zu finden und wir hielten dann einfach in der be-
sagten Straße vor dem einzigen Haus, wo Leute vor standen. Bingo, das halb
zerfallene Gebäude war unsere Location. Wieder wurden wir sehr herzlich em-
pfangen und uns wurde Essen und Trinken serviert. Nur die Sanitären Anlagen
("the toilet is the garden behind the house!") waren schlecht beheizt und fließend
Wasser nicht vorhanden. Aber um ehrlich zu sein schockte uns nach 2 Tagen
in Polen rein gar nichts mehr. Seltsam war hier wieder der unglaublich geile
Kickertisch, dessen Wert wohl offensichtlich ein Vielfaches des gesamten
Clubs samt Ausstattung war. Gut für uns, den so überbrückten wir die Zeit bis
zum Konzert mit harten Kickermatches.
Als wir zur Vorbereitung unseres Auftrittes übergingen, bemerkten wir, dass gar
keine Anlage im Gigraum stand. Auch Mikroständer waren -wie immer- nicht
vorhanden. Da Kelle auch noch seinen Bass am Vortag bis zur absoluten Un-
brauchbarkeit geschändet hatte, fehlte uns auch ein solches Gerät. Kurzum:
nix am Start. Mikroständer wurden dann aus 2 Beckenständern improvisiert,
2 Mikrofone konnte man in eine kleine Box in der Ecke einstöpseln und ein
Bass aus einem anderen Jahrhundert wurde eilig herbei geschafft. Etwas mul-
mig war uns schon, als wir dann endlich in dem von Menschen vollgestopften
Raum loslegen sollten, aber siehe da: Super Sound! Wer hätte das gedacht!?
Unsere Blicke trafen sich mit einer Mischung aus Erstaunen und großer Freude
und so rockten wir uns den Arsch weg während das Publikum ordentlich mitzog.
Moshwellen und wirbelnde Körperteile erschwerten zwar die Position zu halten,
aber trieben uns auch mächtig an. Leider konnten wir die Show nicht ohne Un-
terbrechungen an den Mann bringen, da der aufgeregte Veranstalter zwischen-
durch reinstolperte und wir unseren Wagen vor der Tür umparken mussten,
damit Platz für den nächtlichen Lieferverkehr war. Die 2. lustige Unterbrechung
kam, als Kelle plötzlich ganz komisch eng hinter Adrians Arsch herwackelte
und panisch rumschrie…im Eifer des Gefechts war Adrians Schlüsselanhänger
so unglücklich hochgewirbelt, dass er sich gleich in mehreren Saiten von Kelles
Leihbass verfing, und zwar so heftig, dass Kelle erst nach Minuten wieder befreit
werde konnte! Das alles konnte die Stimmung gar nicht drücken, da die Zu-
schauer einfach nur rocken wollten und bis zum Ende richtig Gas gaben.
Glücklich und zufrieden beendeten wir dann unser letztes Minitourkonzert und
brachen irgendwann um Mitternacht nach Hause auf. Da wir uns jetzt genau an
die Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten, wurden wir zwar immer und überall
überholt, aber so gerieten wir wenigstens nicht mehr mit den Cops aneinander
- glaubten wir. Wir passierten die deutsche Grenze in Frankfurt/ Oder und ge-
nossen fortan die heilen Strassen die uns gen Heimat führen sollten... bis wir
plötzlich mitten auf der Bahn von Bullen mit Blaulicht eingekesselt wurden,
die uns auf den nächsten Parkplatz eskortierten. Nette, dicke Zollbeamte
filzten die Karre oberflächlich auf Schmuggelware aus Polen, machten aber
keinen Stress und ließen uns nach wenigen Minuten unsere Reise fortsetzen.
Am frühen Morgen, nach 8 Stunden Fahrt, erreichten wir endlich Minden und
erklärten den Trip offiziell für beendet. Fazit: Wir haben einen Haufen wertvoller
Erfahrungen gesammelt und viele nette Leute kennen gelernt. Wir wissen, dass
man unbedingt Mikrofonständer mit nach Polen nehmen sollte und dass man
ruhig zu schnell fahren kann, solange die Cops kein deutsch oder englisch
sprechen können. Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns auf diesem
Trip geholfen und unterstützt haben und diesen überhaupt erst möglich ge-
macht haben! Eins wird uns auch sicher immer in Erinnerung bleiben: Polen
rockt… |